Impfausweis verloren: So lässt sich der Impfstatus rekonstruieren
Wenn Sie Ihren Impfausweis verloren haben, fragen Sie zuerst bei Ihrer Hausarztpraxis und früheren Behandlern nach dokumentierten Impfungen. Fehlende Nachweise lassen sich oft aus Patientenakten und anderen Unterlagen rekonstruieren; einen neuen Impfpass erhalten Sie in der Arztpraxis.

Der verlorene Impfpass bedeutet nicht automatisch, dass Ihre Impfungen und damit Ihr Impfstatus unbekannt bleiben. Sammeln Sie vorhandene Dokumente und lassen Sie nachweisbare Einträge ärztlich in einen neuen Impfausweis übertragen.
Wo lassen sich frühere Impfungen nachweisen?
Frühere Impfungen finden Sie häufig in den Akten der Praxen, die Sie behandelt oder geimpft haben. Auch ältere Bescheinigungen und digitale Gesundheitsunterlagen können Hinweise enthalten.
Welche Praxen und Unterlagen können weiterhelfen?
Beginnen Sie bei Ihrer Hausarztpraxis und nennen Sie möglichst die früheren Praxen, den ungefähren Zeitraum sowie den Anlass einer Impfung. Auch Kinder- und Facharztpraxen, Betriebsärzte, Impfzentren oder Krankenhäuser kommen als Anlaufstellen infrage. Bei einem Praxiswechsel kann Ihre aktuelle Praxis mit Ihrer Einwilligung frühere Behandler kontaktieren.
Suchen Sie zu Hause nach Impfbescheinigungen, alten Gesundheitsheften, Reiseunterlagen und Unterlagen aus Schule oder Beruf. Ein Impfaufkleber kann als Hinweis dienen; lassen Sie ihn von einer impfberechtigten Person prüfen und eintragen. Tragen Sie Impfungen nicht selbst in den neuen Impfpass ein.
Was gehört auf die Dokumentencheckliste?
Legen Sie für die Anfrage bei Praxen und für den Arzttermin möglichst diese Unterlagen bereit:
- Name und Kontaktdaten früherer Haus-, Kinder- und Facharztpraxen
- ungefähre Zeiträume und Orte früherer Impfungen
- alte Impfbescheinigungen, Gesundheitshefte oder Impfaufkleber
- Reiseunterlagen sowie Schul- oder Berufsdokumente mit Impfangaben
- vorhandene Einträge in der elektronischen Patientenakte (ePA)
Die Liste hilft dabei, gezielt nach Behandlungszeiträumen und Dokumenten zu suchen. Je konkreter Ihre Angaben sind, desto leichter kann die Praxis mögliche Akten zuordnen.
Wie erhalten Sie einen neuen Impfpass und was ist digital verfügbar?
Ihre Arztpraxis kann Ihnen einen neuen Impfpass ausstellen und belegte Impfungen nachtragen. Wenn der Impfpass beim Impfen fehlt, müssen Sie auf die Impfung nicht verzichten: Die durchführende Person dokumentiert sie in einer Impfbescheinigung. Das RKI nennt die erforderlichen Angaben für eine Impfdokumentation.
Fragen Sie Ihre Praxis oder Krankenkasse, welche Impfeinträge in Ihrer elektronischen Patientenakte verfügbar sind. Die ePA kann zusätzliche Hinweise enthalten, ersetzt aber nicht automatisch alle früheren Unterlagen. Bewahren Sie Impfbescheinigungen und einen neuen Impfpass an einem festen Ort auf.
Was gilt bei einem unklaren Impfstatus?
Bei fehlenden oder lückenhaften Nachweisen ordnet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt die Angaben ein und prüft, welche Impfungen nach den Empfehlungen der STIKO angezeigt sind. Ein unklarer Impfstatus bedeutet nicht, dass Sie ohne ärztliche Abklärung pauschal alle Impfungen nachholen sollten.
Wie ordnet die STIKO fehlende Nachweise ein?
Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut (RKI) empfiehlt bei fehlender oder lückenhafter Impfdokumentation, indizierte Impfungen durchzuführen. Bei unklarem Impfstatus empfiehlt die STIKO indizierte Impfungen.
Für die Einschätzung zählen Ihr Alter, frühere dokumentierte Dosen, Vorerkrankungen und mögliche besondere Risiken. Ärztlich geprüft werden je nach Situation die Grundimmunisierung und Standardimpfungen anhand des Impfkalenders. So lässt sich klären, ob Impfungen nachgetragen werden können oder eine Auffrischungsimpfung ansteht.
Wann kommen Nachimpfen oder ein Antikörpertest infrage?
Lässt sich eine Impfung nicht belegen, kann Ihre Ärztin oder Ihr Arzt eine passende Nachholimpfung empfehlen. Eine zusätzliche Dosis wird dabei im Einzelfall bewertet; eine mögliche doppelte Impfung oder Über-Impfung ist kein Grund, ohne Beratung selbst über das Vorgehen zu entscheiden.
Ein Antikörpertest beantwortet nur bestimmte Fragen. Er kann Hinweise auf eine Immunisierung geben, zeigt aber nicht zuverlässig, wie lange ein Schutz anhält; bei manchen Impfungen lässt sich trotz vorhandenem Schutz kein aussagekräftiger Antikörpernachweis führen. Die STIKO sieht solche Tests deshalb für ausgewählte Situationen vor, etwa bei bestimmten Fragen zu Röteln oder Windpocken vor einer Schwangerschaft.
Was sollten ältere Menschen und Reisende ärztlich prüfen lassen?
Lassen Sie Ihren Impfstatus anhand von Alter, Gesundheit und geplanten Reisen prüfen. Neben Tetanus können je nach persönlicher Situation Keuchhusten, Masern, Röteln, Mumps und Polio relevant sein. Für Reisen beurteilt die Praxis zusätzlich, welche Reiseimpfungen zum Zielgebiet und zu Ihrer Reiseroute passen.
Besprechen Sie außerdem, ob eine Auffrischungsimpfung oder weitere Impfungen wie Grippeimpfung, COVID-19-Impfung beziehungsweise Corona-Impfung für Sie empfohlen sind. Für ältere Menschen kann eine altersbezogene Beratung helfen, den eigenen Impfkalender zu prüfen; Informationen zu Impfungen für Seniorinnen und Senioren finden Sie ebenfalls online.
Mit ärztlicher Beratung den Überblick zurückgewinnen
Eine ärztliche Impfberatung verbindet vorhandene Nachweise mit den für Sie geltenden Empfehlungen. Nehmen Sie gesammelte Dokumente und Ihre Angaben zu früheren Praxen mit, damit die Ärztin oder der Arzt belegte Impfungen von offenen Fragen unterscheiden kann.
Bitten Sie darum, rekonstruierte Einträge in den neuen Impfpass oder eine Impfbescheinigung zu übernehmen und den weiteren Impfbedarf mit Ihnen zu besprechen. So erhalten Sie eine nachvollziehbare Übersicht über Ihren Impfstatus und wissen, welche Unterlagen Sie künftig aufbewahren sollten.
